Radsportverein Moosburg e.V.
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Über Nacht an den Gardasee


Eine Alpenüberquerung mit dem Ziel Gardasee steht bei vielen Radlern, egal ob Mountainbiker oder Rennradfahrer ganz hoch im Kurs. Meist werden zwei, drei oder vier Tage für den Ritt von Deutschland nach Italien einkalkuliert. Die Strecken gehen über diverse Pässe, die Radler trainieren im Vorfeld mit deutlichen Umfängen um die Strapazen zu meistern. Für zwei Radler des RSV Moosburg stand am vergangen Wochenende eine Alpenüberquerung der besonderen Art auf dem Programm. Bereits im Dezember geplant, die ausgeheckte Strecke, im Moosburg beginnend immer wieder verworfen und neu zusammengestellt, wurde schließlich das Teilstück von Moosburg bis an die Alpen ausgelassen, da weite Teile daraus aus diversen Ausfahrten bereits bestens bekannt sind. Ralph Sproll und Oliver Knott, hatten sich schließlich für eine Variante ab Ottobrunn entschieden. Die eingesparten zwei Stunden sollten in „das Dach der Tour“ investiert werden.
In der Woche vor der großen Ausfahrt meldete sich Ralph Sproll leider wegen Krankheit von der Tour ab. Mit Martin Stadler wurde jedoch schnell ein Ersatzteilnehmer gefunden, denn alleine die Strecke in Angriff zu nehmen wäre für Oliver Knott sicher noch eine zusätzliche, aber nicht unbedingt erwünschte Herausforderung gewesen. Gestartet wurde also in Ottobrunn, das Ziel war Brenzone sul Garda, südlich von Malcesine. Anders als herkömmliche Alpenüberquerungen, sollte diese Tour nicht über mehrere Etappen, sprich Tage, sondern in einem Rutsch bewältigt werden.  Los ging es um 20:15 Uhr, bei herrlich mildem Sommerwetter. Die Strecke führte zuerst auf den Pfaden der Ottobrunner RTF durch den Hofholdinger Forst nach Holzkirchen, auf abgelegenen Wegen weiter bis zum Tegernsee, wo sich der Tag langsam dem Ende zuneigte und die Dunkelheit heraufzog. In Rottach-Egern wurde ein letzter kurzer Stopp auf deutschem Boden eingelegt und die erste bereits geleerte Trinkflasche aufgefüllt bevor es hinter Kreuth in die absolute Dunkelheit und Stille des oberbayrischen Alpenrandes ging. Bis zum Achensee stetig aber recht moderat bergauf auf der Bundesstraße, auf der sich ebenso wie auf allen weiteren Streckenabschnitten des Nächtens erstaunlich wenig Verkehr bewegt. Mit guter Beleuchtung ein ausgesprochen angenehmes Radeln, das die Sinne schärft, da man Sachen über die Nase wahrnimmt, die in der Reizüberflutung des Tages vollkommen untergehen. Die Abfahrt ins Inntal mit einem über diesem stehenden Vollmond ist etwas, das man jedem Radler durchaus ans Herz legen kann. Einfach beeindruckend.
Weiter ging es auf der Hauptstraße Richtung Innsbruck, verkehrsarm, nur ein paar Heimkehrer, Leute die um Mitternacht an Tankstellen ihre Autos waschen und wieder den Geruchsinn fördernd (Bäckereien muss man nicht sehen, man riecht sie von Weitem). Um ein Uhr war dann die erste nennenswerte Pause in einer Tankstelle kurz vor der Auffahrt zum Brenner angesagt. Cola, Kaffee, Gummibärchen oder was das Herz sonst so  begehrt und der Stärkung bzw. dem Wachbleiben diente wurde verzehrt bevor es eine dreiviertel Stunde später weiter ging. Nun standen die knapp 40 km hinauf zum Brenner, der wohl bekanntesten Verbindung zwischen Österreich und Italien, an. Sehr ruhig, die Autobahn nur manchmal zu hören und auch nur von Zeit zu Zeit das typischen quietschen von Zügen auf ihren Schienen zu vernehmen. Ansonsten Natur pur, rauschende Bächlein und ab vier Uhr erstes Vogelgezwitscher. Oben am Brenner tat sich dann das erste Problem der Fahrt auf, die Akkus von Martins Frontleuchte waren verbraucht. Aber kein ernsthaftes Problem, im Reisegepäck, einem kleinen Rucksack, waren ausreichend viele Ersatzbatterien mitgeführt. Schwerer wiegte da die Tatsache, dass um kurz nach vier am Brenner alles, incl. der Tankstellen geschlossen hatte. Also war klar, die restlichen Getränke mussten bis hinauf zum Penser Joch gut eingeteilt werden, denn es war nicht anzunehmen, dass in Sterzing schon Lokale geöffnet haben.
Der Höhenunterschied zwischen Sterzing (948 m) und dem Penser Joch (2211 m) ist doch erheblich und so wurde mit einer zweistündigen Auffahrt kalkuliert. Langsam war auch ein heller Schein hinter den im Osten gelegenen Berggipfeln wahrzunehmen. Das Ziel bei Sonnenaufgang bereits über der Baumgrenze angekommen zu sein wurde knapp verfehlt. Nichts desto trotz ist es ein absolut erhebendes Gefühl zu so früher Morgenstund einen Alpenpass in Angriff zu nehmen. Kurz vor sieben, der Gipfel ist erreicht. Niemand hier, außer uns und der Wirt der „Alpenrose“ der nicht verstehen kann, dass wir gestern in München losgefahren uns jetzt ohne Übernachtung hier sind und deshalb noch dreimal nachfrägt wo wir heute losgefahren sind. Nach der Stärkung mit Cappuccino und Speckbrot und dem obligatorischen Auffüllen der Trinkflaschen  ging es in die 50 km lange Abfahrt hinunter nach Bozen. Mittlerweile ist nicht nur der Tag, auch die Menschen sind erwacht. Man merkt es deutlich an dem deutlich zugenommenen Verkehr im Sarntal. In Bozen bekommen wir einen ersten Vorgeschmack auf die Temperatur die uns im Lauf des Vormittags noch erwarten wird. Von in der Sonne angenehm kühlen Temperaturen auf gut 2.000 Metern Höhe ist Bozen, das auf 266 Metern liegt weit entfernt. Bereits um neun Uhr ist die 25 Grad-Marke geknackt und im weiteren Verlauf, entlang der Etsch werden wir auch schnell die 30 Grad hinter uns lassen. Da auf den nächsten 100 Kilometern auf dem Etschtalradweg allerdings keine Steigung mehr zu bewältigen ist, ist auch die Temperatur dank ausreichender Luftkühlung erträglich. Der Radweg ist gut ausgebaut und mit dem Rennrad problemlos zu passieren, allerdings ist die Fahrt auf diesem nach 260 bereits absolvierten Kilometern etwas eintönig, da auch die Landschaft keine große Abwechslung bietet. Mal sieht man die Etsch, mal die Autobahn, immer die Hänge, bzw. Felswände die das Etschtal begrenzen. Bei Kilometer 355 erreichen wir Rovereto und verlassen den Etschradweg Richtung Westen, um mit dem Passo San Giovanni (mit lächerlichen 287 m ein echter Minipass) den letzten Anstieg des Tage zu meistern. Gleich ist es so weit, kurz hinter Nago ist er zu sehen, der Gardasee, unser Ziel. Noch ein Stopp hinter der Spitzkehre in der Abfahrt nach Torbole (ein wunderbarer Aussichtspunkt – und dort werden wir empfangen), ein Recoverydrink für Oliver, ein isotonisches Hefegetränk für Martin und dann beginnt das ausrollen zu unserem Hotel in Brenzone. Nochmal das Licht angesteckt (es warten ja noch etliche Tunnel und Galerien), die letzten zwanzig Kilometer sind doch nix mehr für uns, die wir die Alpen in gut dreizehn Stunden Fahrzeit überquert haben.
All die Bedenken, wie wir es sein so lange Nachts zu fahren, nicht zu schlafen usw. waren umsonst. Es war die wohl intensivste Tour die ich je gefahren bin und es war sicher nicht die letzte von dieser Art.

Die Stecke

Die Bilder