Radsportverein Moosburg e.V.
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Von Mittenwald zum Lago Maggiore


Am 15.07.2016 startete die diesjährige Alpentour des RSV Moosburg, die von Mittenwald an den Lago Maggiore gehen sollte. Doch schon während der Fahrt an den Alpenrand wurde der Startort eiligst umgeplant und nach Sterzing verlegt. Der Wetterbericht für Mittenwald und Imst, die beide auf der Strecke des ersten Tages lagen, war wenig erfreulich, sprich es war Regen prognostiziert. Also ging die Fahrt im gemieteten Sprinter über den Brenner nach Sterzing. Dort angekommen wurde als erstes der Jaufenpass unter die Räder genommen, auf dem uns kühle 6 Grad bei lebhaftem Wind erwarteten. Grund genug für eine erste Einkehr, einen Cappuccino vor der Abfahrt ins Tal. Angekommen in St. Leonhard begrüßten uns 26 Grad und ein kapitaler Defekt am Fahrrad eines Teilnehmers. Der starke Wind oben am Jaufen hatte das Rad umgeworfen, dabei fiel es offensichtlich auf das Schaltwerk und als nun unten im Tal, am Abzweig nach Dorf Tirol erstmals wieder der erste Gang eingelegt werden musste, verfing sich dieses in den Speichen und das Schaltauge wurde abgerissen. Dies bedeutete das Aus – für die gesamt Tour oder nur für diesen Tag, das musste sich noch herausstellen. Das Rad mitsamt Fahrer wurde in das Begleitfahrzeug verfrachtet und ab ging es mit Motorkraft nach Prad dem ersten Etappenziel. Die verbliebenen vier Sportler setzten die Fahrt fort, auf dem gut ausgebauten Radweg (mit Ausnahme einer mehrerer Kilometer langen Schotterpiste) entlang der Etsch, hinauf nach Prad.
Am nächsten Morgen gleich um acht, der bange Gang in den Fahrradladen. War ein passendes Schaltauge vorrätig, war die Reparatur erfolgreich? – JA – offensichtlich geschehen noch Wunder, kaum einer der Beteiligten hätte darauf gewettet, dass wir die Fahrt mit fünf Aktiven hätten fortsetzen  können. So ging es also bei strahlendem Sonnenschein hochmotiviert das Stilfserjoch hinauf. Trotz des hervorragenden Wetters hielt sich der Autoverkehr noch in Grenzen, wenngleich das Bild oben auf einer der höchsten Passstraßen der Alpen schon recht skurril anmutet wenn sich Autos, Motorräder, historische Traktoren, Rollerski, Radfahrer in kurzen Hosen und Skiläufer in voller Montur treffen. Nach dem obligatorischen Gipfelcappuccino und der Abfahrt in Richtung Bormio wartete als nächster ernst zu nehmender Anstieg der Passo del Foscagno mit seinen knapp 20 km Anstieg  auf die Moosburger Radler. Optisch nicht sehr reizvoll bildet dieser Pass die Zollgrenze zwischen Italien und der zollfreien Zone Livigno. Nach einer kurzen Abfahrt und dem mit 200 hm erträglichen Gegenanstieg auf den Passo d´Eira bietet sich ein deutlich schöneres Bild für das Auge, in das Talbett von Livigno.
Der dritte Tag begrüßte uns mit Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt, aber erneut strahlendem Sonnenschein. Bis nach dem Frühstück erwärmte dieser die Luft auch soweit, dass einer Abfahrt im kurzen Trikot nichts im Wege stand. Nach der Passage der Ortschaft Livigno ging es hinauf zur Forcola di Livigno, um am Ende der darauffolgenden Abfahrt in die Schweiz einzureisen. Mit dem Bernina wartete ein weiterer 2000er mit ausgesprochen hübsch anzusehendem Panorama. Die Abfahrt, vorbei am Monterasch Gletscher und an Pontresina führte uns in der Folge bis nach St. Moritz und weiter am Silvaplana See vorbei zum Maloja. Dort ist weniger das Panorama (das ist auch nicht schlecht), als vielmehr die Straßenführung beeindruckend. Kehre über Kehre, eng geschlungen, geht es im oberen Teil stetig bergab. Auf den bisher üblichen Cappuccino wurde heute verzichtet, dafür gab es dann auf der italienischen Seite eine späte Mittagspause mit einer ordentlichen Portion Nudeln, die uns für den letzten Berg des heutigen Tages, den Splügen, stärken sollten. In Sachen Höhendifferenz braucht sich dieser nicht hinter dem weit bekannterem Stilfserjoch verstecken, 1.842 hm sind von Chiavenna aus zu überwinden, bis die Passhöhe erreicht ist. In 54 Kehren geht es hinauf, selten mehr als vier Kehren hintereinander, immer wieder Galerien, insgesamt recht unrhythmisch, wechselnd zwischen flacheren Passagen und echten Rampen. Für uns war an diesem Tag jedoch bereits vor Erreichen des Übergangs Schluss, da unsere Unterkunft in Montespluga am Splügenstausee lag.
Das Gros der diesjährigen Alpentour war nun schon Geschichte, ehe es am letzten Tag noch drei Anstiege zu überwinden galt. Zuerst der bereits erwähnte Splügenpass oder besser gesagt, der Rest der davon noch übrig war. Lediglich 200 hm blieben um den Gipfel zu erklimmen und kurz dahinter die absolut beeindruckende Verkehrsführung zu bestaunen. Was für den Majola gilt, nämlich Kehren über Kehren, gilt ebenfalls für den Splügen. Einziger Unterschied, während sich die Kehren am Majola noch teilweise im Wald verstecken, wurden sie am Splügen über Almwiesen gelegt, so dass man nahezu jederzeit den vollen Überblick über die spektakuläre Verkehrsführung hat. Nach der Abfahrt durch eine Baustelle und einem kapitalen Reifenschaden wartete mit dem St. Bernardino noch ein ausgesprochen ruhiger und gleichmäßig zu fahrender Pass auf uns. Die vorläufige Entschädigung für die bisherigen Strapazen der Tour stelle in der Folge die ca. 50 km lange Abfahrt nach Bellinzona dar, bevor mit der Alpe di Neggia noch eine besondere letzte Herausforderung wartete. Mit 1.395 m nicht wirklich hoch, aber wegen der Starthöhe von lediglich 198 m waren hier auf 12 km insgesamt nochmals knapp 1.200 hm zu überwinden, was einer Durchschnittssteigung von ca. 10% entspricht. Bei Mittagstemperaturen jenseits der 30 Grad eine echt schweißtreibende Angelegenheit. Umso erfrischender war dann der Sprung in den Lago Maggiore nachdem die Räder verladen waren. Nach der Abkühlung und einem kurzen Stopp in einem örtlichen Supermarkt begann die Rückreise nach Moosburg, das gegen 22.30 Uhr erreicht wurde.

 

Die Strecken
Tag1 (originale Strecke)
Tag2
Tag3
Tag4

Fotoalbum