ein Bericht von Oliver Knott

vom 29.06.-07.07.2024 ging es von Fenestelle nach Menton

Im Jahr 2024 ging die Alpentour erstmals nicht über 3-5 Tage, sondern war mit sieben Radtagen quasi eine XXL Version. Das klare Ziel dieser Fahrt war es möglichst viele >2000er Pässe der Alpen zu absolvieren. Nach der Anreise am Samstag, stand am Sonntag die erste Etappe mit 171 km und 3.500 Höhenmeter an. Zuerst über den Colle del Sestriere ging es anschließend nach Frankreich und über den Col du Mont Cenis über den einst Hannibal mit seinen Elefanten zog. Von dort waren es noch 70 überwiegend bergab führende Kilometer bis nach Saint-Jean de Maurienne.

hier die Bilder von Tag 1:

 


Am zweiten Tag folgte gleich die Königsetappe mit 151 km und 4.465 hm. Wieder ging es zweimal über die magische 2.000er Marke, von der es in Form von Pässen derer 58 in den Alpen gibt. Der Col de la Croix Fer stellte sich als erstes Hindernis in den Weg. In der ruhigen Auffahrt war es noch recht wolkenverhangen. Das Wetter besserte sich in der Abfahrt und spätestes durch die Kehren hinauf nach Alpe d´Huez strahlte die Sonne. Die Auffahrt lebt vom Mythos, sie ist schön, aber bei weitem nicht das Beste was die Alpen zu bieten haben. Über den Col de Sarenne, der von Alpe d´Huez nur einen Steinwurf entfernt ist ging es wieder hinab ins Tal. Links ab und noch einmal ca. 30 km bergauf zum Col du Lautaret. Dort wurden wir schon von jeder Menge Wohnmobilisten erwartet. OK, vermutlich warteten sie nicht auf uns, sondern auf die Tour de France Etappe, die am nächsten Tag von Briancon kommend über den Col du Galibier führen sollte.

die Bilder vom 2. Tag gibt´s hier zu sehen:

 


Zurück nach Italien ging es am dritten Tag. Über den Col d´Izoard und den Riesen Col Agnel, der die Grenze zwischen Frankreich und Italien bildet. Nach einer berauschenden Abfahrt teilten wir uns auf, und vier von uns nahmen noch den völlig unbedeutenden aber ebenso idyllischen Colle di Sampeyre in Angriff, der ab immerhin mit einer Höhe von 2.284 Meter aufwartet und somit auch zu den 58 Pässen der Kategorie > 2.000 zu zählen ist.

Tag 3 visualisiert:

 


Mit Barcellonette stand am vierten Tag wieder ein Etappenziel in Frankreich auf dem Plan. Am Start wussten wir noch nicht, was uns an diesem Tag blühen sollte. Für unsere Busse war im Aufstieg zum Colle d´Esischie Schluß, da die Straße wegen einer Radsportveranstaltung gesperrt war. Wir verabredeten uns also in Demonte, wo die Abfahrt wieder auf die Hauptstraße nach Frankreich trifft. Die nötigsten Sachen eingesteckt und los ging es. Unsere Gruppe zerfiel wegen bestehender Leistungsunterschiede in ihre Einzelteile. Normalerweise ist wird dann oben am Gipfel gewartet und gemeinsam weitergefahren. Schon auf den letzten zweihundert Höhenmeter kühlte es jedoch merklich ab und die Sicht ging zurück auf deutlich unter 50 Meter. In der Abfahrt tasteten wir uns nur mit Blick auf das Navi voran, das den Streckenverlauf zeichnete und so konnte man zumindest erahnen wann eine Kurve in welche Richtung kam. Entgegenkommende Motorräder waren trotz der eingeschalteten Beleuchtung erst im letzten Moment zu erkennen. Vollkommen erfroren am Bus angekommen warteten schon alle in Decken gehüllt und bei laufendem Motor auf uns zwei Nachzügler. Schnell wurde klar dass für die meisten von uns der Radtag hier beendet war und nun nur noch eine Busreise in Richtung Etappenziel anstand. Zu dritt nahmen wir noch den letzten geplanten Ansitieg des Tages in Angriff. Auf dem Weg zum Col de Larche besserte sich das Wetter und so sollte es noch ein richtig schöner Radltag werden. Und weil es jetzt eh schon egal war und die Sonne lachte trennte ich mich in der Abfahrt von meinen beiden Begleitern und steuerte noch den Col de Vars an, einen 2.000er der in der Tourenplanung etwas ab von der Strecke war und deshalb von mir nicht mit einbezogen wurde. Aber alleine kann man schon mal einfach rauf und wieder runter fahren um auch an diesen Pass einen Haken zu machen.

auch am vierten Tag wurde Fotografiert:

 


Schlechte Nachrichten am fünften Tag. Es war eine Rundfahrt über 120 km und 3.350 hm über drei Berge geplant. Der letzte der drei Anstiege war allerdings wegen eines Murenabgangs gesperrt, so dass aus der Rund nichts wurde sondern nur zwei der drei geplanten Colls befahren werden konnten. Am Gipfel des zweiten, dem Col de Champs wendeten wir und fuhren zurück ins Tal, wo wir die Räder in den Bus verluden und den Col de la Cayolle von der anderen Seite als am Vormittag, jetzt bequem chauffiert überwanden.

und hier die Bilder vom fünften Tag:

 


Noch ein Tag im Hochgebirge. Gut 30 Kilometer führte uns die Routenführung vom Start bis auf den Col de la Bonette, mit seiner „Schleife“ um den Gipfel, der Cime de la Bonette, gleichzeitig der höchste Punkt der diesjährigen Alpentour. Aus unterschiedlichen Gründen zerfiel unsere Gruppe in der Abfahrt wieder. Fotostopp und Windanfälligkeit waren dabei die Hauptgründe, die ein gemeinsames Eintreffen in Isola, dem Fuß des letzten Anstieges des Tages (wahlweise bis Isola 2000 oder dem darüber liegenden Col de Lombarde) verhinderte. Auf diversen Hinweisschildern war schon
von einer Straßensperrung am nächsten Tag zu lesen, was eine intensivere Recherche am Abend nach sich zog.

Fotos von Tag 6 findet ihr hier:

 


L´Etape du Tour kam uns entgegen und erforderte eine weitreichende Planänderung. So war ein Teil unserer letzten Etappe, unter anderem der Col de Turini gesperrt, da die mehrere Tausend Teilnehmer umfassende Veranstaltung hier in die uns entgegengesetzte Richtung darüber führte. Oberstes Ziel war es erst einmal vor der eingesetzten Streckensperrung aus dem Tal zu kommen um dann von dort aus auf neuer Route unser Ziel Menton zu erreichen. Den Turini mussten wir zwar schweren Herzens aus dem Programm nehmen aber wenigstens mit dem Col de la Madone noch den Namensgeber einer echten Rennmaschine bezwingen. Bei der Abfahrt nach Menton wird einem schnell klar, warum der eine oder andere Radprofi hier in der Gegend ein neues Zuhause gefunden hat. Die Umgebung an der französischen Mittelmeerküste ist ein echtes Radsporteldorado.

Bei dieser Alpentour legten wir ca. 930 km und 25.000 hm zurück

auch am letzten Tag wurde noch geknippst: